Das Gebot der Zeit: Resiliente ökonomische und soziale Strukturen schaffen

Prof. Dr. Peter Heck Managing Director – IfaS
Prof. Dr. Peter Heck
Managing Director – IfaS

Die vergangenen Jahre haben eindrücklich demonstriert, dass das weltwirtschaftliche und politische Umfeld immer wieder durch abrupte Veränderungen gekennzeichnet ist. Insbesondere das zurückliegende Jahr, mit der alles bestimmenden Pandemie, hat die Welt förmlich „aus den Angeln“ gehoben und viele Konzepte geradewegs auf den Kopf gestellt. Die Jagd nach dem unersättlichen Wachstum wurde in 2020 hart ausgebremst. Umdenken, Neudenken, Andersdenken – so lautete die Devise, um die schwere Krise im privaten und geschäftlichen Umfeld meistern zu können. Wer hierbei auf resiliente Strukturen zurückgreifen konnte, sah sich auf dem rechten Weg.

Das sind allerdings nicht viele. Trotz der steten Weckrufe wie Umweltkatastrophen, SARS, MERS, Ebola und Co sowie der Vorhersagen über soziale und wirtschaftliche Auswirkungen von Pandemien, gab es mehr Ignoranz denn Anpassung. Der Mensch hat einen unbändigen Drang, am Bestehenden festzuhalten, Gewohnheiten zu pflegen und allen Neuerungen mit einer gewissen Trägheit, Selbstgefälligkeit, ja gar einem durchdringenden Widerwillen zu begegnen.

Mit Covid-19 haben sich die Auswirkungen der Globalisierung, unsere allgegenwärtige Abhängigkeit voneinander, bis ins Unerträgliche zugespitzt. Unser bestehendes lineares Wirtschaftsmodell hat sich als Sackgasse erwiesen, ja als toxisch und droht zu kollabieren. Mehr denn je wird deutlich, dass es kein Zurück in die „alte Welt“ des immer Höher und Weiter gibt.

Der Erkenntnis, dass einschneidende äußere Einflüsse bis zu einem gewissen Grad unvermeidbar sind, folgt die Frage, was zu tun ist, solche Schocks zu verarbeiten, zu bewältigen, möglicher Weise gar zu reduzieren.

Dieser und vielen anderen Fragen widmen wir uns am Institut für angewandtes Stoffstrom-management [IfaS] nun seit genau 20 Jahren. Wir finden Antworten auf die drängenden Fragen bei der Untersuchung von Stoffströmen; bei der Erforschung, Konzeption und Umsetzung von Projekten, die nachhaltig ökonomische, ökologische und soziale Werte erhalten und schaffen. An vorderster Front sind wir mit der Umsetzung und der Verbreitung von praktischem Wissen der Circular Economy [CE] auf der ganzen Welt beschäftigt. Wir unterstützen Unternehmen aus der Real- und Finanzwirtschaft, Länder, Städte, Gemeinden usw. zu allen Themen rund um „Green Transition“, um neue Handlungsspielräume zu erkennen – von klimaneutralem Wirtschaften, bis hin zur „Grünen Finanzierung“. Als Vorausdenker, Gestalter und Brückenbauer bringen wir Menschen und Organisationen bei der Lösungsfindung sowie der anschließenden Umsetzung voran.

Vor 20 Jahren noch einsamer Pionier, heute anerkannter Vorreiter, der Forschung in Praxis umsetzt, damit solche Worte wie „sozio-ökonomische Resilienz“ nicht einfach nur trendige Containerbegriffe bleiben.

Nicht zufällig, sondern ganz bewusst, wagten wir uns in dieses neuartige Feld, da wir das enorme Potenzial der Kreislaufwirtschaft als vielseitiges Wirtschaftsmodell erkannten, welches in der Lage sein würde, die sich verschärfende gesellschaftliche Stoffwechselkrankheit zu behandeln.

Mit Weitsicht, Vision und Leidenschaft, testeten wir das Wasser der Nachhaltigkeit, indem wir Zero Emission [ZE]-Technologien und -Strategien – die Grundlage von CE – zunächst an unserem Heimatstandort, dem Umwelt-Campus Birkenfeld, implementierten. In kürzester Zeit wuchs die Nachfrage auf globaler Ebene. Innerhalb unseres internationalen Wirkens erkannten wir, dass es einen großen Bedarf an praktischem Wissen und an dessen Verbreitung gibt. Das war der Anlass, 2009 die International Circular Economy Week & Conference [ICEW&C] als spezialisierte Plattform zur Verbreitung von praxisorientiertem Wissen zu Zero Emission zu etablieren.

Die Ereignisse rund um das Thema Covid-19 fordern eine neue Dimension des Lernens und Umsetzens ein: Begrifflichkeiten wie Coronomics (oder besser noch: Pandenomics!) verdeutlichen den Prozess des unabdingbaren Handelns. Es gilt, widerstandsfähige und robuste lokale/regionale Volkswirtschaften aufzubauen, die den Schocks widerstehen können, welche die sozialen und wirtschaftlichen Systeme treffen. Volkswirtschaften, die auf den Grundlagen biologischer Systeme aufgebaut sind, wie die Circular Economy [CE] und die biobasierte Wirtschaft [BE], in der regional verfügbare erneuerbare Ressourcen eingesetzt werden, scheinen einen Kollaps gut abfedern zu können und haben eine höhere Widerstandsfähigkeit mit minimaler Latenzzeit. Diese Ökonomien verfügen auch über mehrfache Redundanzen, so dass Risiken relativ einfach und schnell abgesichert werden können.

Nicht zuletzt dürfen wir im Zuge der pandemischen Auswirkungen das drängendste Problem dieses Jahrhunderts nicht außer Acht lassen: den Klimawandel und seine unvorhersehbaren Folgen. Zunehmende Naturkatastrophen und Schäden erfordern sofortiges Handeln und außerordentliche Maßnahmen. Auf der COP 21, die im Jahr 2015 in Paris stattfand, einigten sich alle Nationen auf die Bekämpfung des Klimawandels. Doch die jeweils erforderlichen Maßnahmen kommen in den meisten Ländern viel zu schleppend voran. Deshalb gilt es, diesen Herausforderungen mit neuen Ideen, Netzwerken und Formen der Zusammenarbeit zu begegnen. Grüne Projekte und grüne Finanzierung für die Klimaneutralität werden das Rückgrat dieses Übergangsprozesses sein. Ifas ist auch hierbei wieder federführend. Wir arbeiten im Rahmen unserer Coaching-Programme mit zahlreichen nationalen und internationalen Kunden in allen Bereichen von CE, ZE und BE. Und das wollen wir mit Ihnen teilen!

Unter dem Motto “Creating Value” ist die ICEW&C eine führende Plattform, die gleichgesinnte Fachleute, Akademiker und Unternehmen aus der ganzen Welt zusammenbringt, um eine Woche lang die neuesten Fortschritte in der Anwendung der Kreislaufwirtschaft zu präsentieren, zu demonstrieren und Wissen zu teilen. Insbesondere konzentrieren wir uns auf die praktischen Aspekte der Bewältigung globaler sozioökonomischer und technologischer Herausforderungen, den Aufbau widerstandsfähiger sozioökonomischer Systeme, die Formulierung von Strategien für die Energiewende hin zu 100 % erneuerbaren Energiesystemen sowie nachhaltiges Ressourcenmanagement – einschließlich von Strategien für die Wasser-, Abwasser- und Abfallwirtschaft – unter besonderer Berücksichtigung des Aspekts der nachhaltigen Wirtschaft.

Im Jahre des 20-jährigen Bestehens unseres Instituts blicken wir stolz und demütig auf die erfolgreiche Entwicklung von IfaS, eine Fülle an Wissen und eine großartige Gemeinschaft von mehr als 5000 Fachleuten aus über 60 Ländern der Welt.

Sie alle haben bereits ihre Aufgaben in Angriff genommen und arbeiten mit uns gemeinsam daran, die Ressourcenherausforderung unserer Zeit anzunehmen und die entsprechenden nachhaltigen und widerstandsfähigen sozioökonomischen Systeme zu schaffen.

Wir laden Sie herzlich ein, mit uns zusammen das 20-jährige Jubiläum von IfaS zu feiern und die diesjährige ICEC für Sie zu einem außergewöhnlichen Erlebnis zu machen!

Das Team von IfaS freut sich auf Ihren Besuch!

Professor Dr. Peter Heck
Geschäftsführender Direktor, IfaS

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